Neuigkeiten vom NABU Wetterau

NABU Wetterau ruft zur Demonstration gegen REWE-Logistikzentrum auf

Der NABU Wetterau ruft zusammen mit dem Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau zur Teilnahme an einer Protestaktion (Demo, Übergabe von Boden und Agrarprodukten) am 31.10. um 10 Uhr am Frankfurter Römer auf. Treffen ist ab 9 Uhr.

Dort tagt ab 10.30 h die Verbandskammer des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain.
Sie soll die Offenlage der Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans beschließen. Das ist ein wichtiger Planungsschritt für die Genehmigung der REWE-Ansiedlung.

 

Zur Erinnerung: Was ist los? Die Gemeinde Wölfersheim hat REWE ein 30 ha großes Areal für den Bau eines riesigen Logistikzentrums angeboten. Dafür ist die Fläche im Regionalen Flächennutzungsplan von der Regionalversammlung umgewidmet worden: Von Vorrangfläche Landwirtschaft in Gewerbe.

 

 

Was bedeutet das für die Natur?

 

1.      Versiegelung von wertvollstem Ackerboden (teilweise gehört er zu den besten Böden Deutschlands). Ca. 300 Menschen können davon komplett ernährt werden.

 

2.      Woanders muss dafür neuer Acker entstehen, z.B. durch Rodung von Regenwald.

 

3.      Das Landschaftsbild unserer ländlich geprägten Wetterau wird zerstört – das Gebäude wird 660 m lang, 175 m breit und bis 35 m hoch!

 

4.      Lichtverschmutzung, denn das Gebäude wird permanent beleuchtet.

 

5.      Probleme mit Grundwasserneubildung und Hochwasser, denn wo nichts versickern kann, kommt nichts ins Grundwasser, sondern muss oberflächlich in Gewässer geleitet werden.

 

6.      Wasserverbrauch (von Trinkwasser!) für die Kühlung.

 

 

Was bedeutet das für den Naturschutz?

 

Der Regionale Flächennutzungsplan stellt einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen dar. Wenn er großflächig für privatwirtschaftliche Interessen ausgehebelt werden kann, ist dies ein Schlag ins Gesicht für die Vertreter anderer Interessen. Hier fehlt zudem noch die regionale Prüfung von Alternativstandorten. Das ist der wichtigste Grund, warum der BUND (mit Unterstützung u.a. des NABU Wetterau) Klage eingereicht hat.

 

 

Welche weiteren Aktivitäten gibt es derzeit gegen den Bau des Logistikzentrums?

 

Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau: Hierzu haben sich Umweltverbände, evangelische und katholische Kirche und Interessensvertretungen des Landwirte zusammengeschlossen. Es organisiert Proteste und unterstützt die Klage des BUND.

 

In Echzell hat sich eine Bürgerinitiative „Bürger für Boden“ gegründet, die Aktionen und Gärtnern einem betroffenen Acker organisiert.

 

Mindestens einer der Grundstückseigentümer hat Widerspruch gegen das bereits eingeleitete Umlageverfahren eingelegt und will Klage einreichen.

 

Bei den jeweiligen Offenlagen der Pläne reichen die Umweltverbände Stellungnahmen ein. Das können übrigens auch betroffene Privatleute tun!

 

 

Wenn wir nicht Flagge zeigen, dann war das nur der Anfang einer Entwicklung die wir nicht mehr stoppen können.

 

Yogawelten sammeln Spenden für den NABU

Yogawelten überreichen randvolle Spendendose an den NABU, v.l.: Frank Uwe Pfuhl und Henning Stahl (NABU Umweltwerkstatt Wetterau), Bernadette Latta und Kirsten Hoppmann (Yogawelten).

An jedem Freitag in den Sommerferien rollten im Park in Bad Nauheim bis zu 190 Menschen ihre Matten aus. Bei Vogelgezwitscher und lauer Abendluft luden die Yogawelten Bad Nauheim / Friedberg zu einer Stunde Besinnung und Entspannung ein. Unter freiem Himmel führte das Team der Yogawelten in verschiedene Übungen ein. 

Die Veranstaltung wurde kostenlos angeboten, am Ende jedes Termins kreiste die Spendendose, in der für die Arbeit der NABU Umweltwerkstatt Wetterau gesammelt wurde. Nach sechs Terminen hatte sich so die Dose mit fast 2.000 Euro prall gefüllt. Die wurde jetzt von den Yogalehrerinnen Bernadette Latta und Kirsten Hoppmann an den Vorstand der NABU Umweltwerkstatt Wetterau überreicht.

Die Vögel der Wetterau - Gewinner und Verlierer

Weißstorch und Großer Brachvogel. Fotos: Manfred Vogt

 

Von Manfred Vogt, Limeshain

 

 

 

 Einleitung

 

Gewinner und Verlierer gibt es in jedem Lebensbereich. Das ist uns hinlänglich bekannt. Leider mehren sich die Verlierer in der Natur – besonders in der Vogelwelt. Das ist leider auch in unserer schönen Wetterau zu beobachten. Hiervon möchte ich Ihnen beispielhaft berichten.

Was sind die Gründe hierfür? Diese sind vielfältig: Nahrungsmangel, Lebensraumverlust, Brutraumverlust und insbesondere in letzter Zeit die Überhandnahme von Prädatoren wie Waschbär und Mink, die einen katastrophalen Einfluss auf den Bestand, insbesondere von bodenbrütenden Arten haben.

Wir leben in einer Welt voller Gegensätze. Auf der einen Seite die Hektik des Alltags mit einer immer stärkeren Technisierung und Digitalisierung des Lebens, einhergehend mit einem ungebrochenen Konsumverhalten und leider auch mit Raubbau an der Natur. Auf der anderen Seite besteht bei vielen Menschen der Wunsch nach einem Ausgleich, nach Ruhe und Erholung in der Natur. Natur erleben erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Was ist zu tun um die drohende Katastrophe – einen stummen Frühling in unserer Wetterau – abzuwenden? Wie sieht es aus in der Natur? Die Biologische Vielfalt der Lebewesen und Lebensräume, auch Biodiversität genannt, die Voraussetzung für eine gesunde und natürliche Entwicklung aller Lebensformen, unser natürliches Erbe, welches wir zukünftigen Generationen als Vermächtnis hinterlassen wollen und wofür wir als Gesellschaft eine ethische und moralische Verantwortung tragen, schwindet immer mehr.

Die Erhaltung der Biodiversität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Weltweit ist seit Jahrzehnten ein drastischer Rückgang der biologischen Vielfalt zu beobachten, dessen Einhalt sich die internationale Staatengemeinschaft zum Ziel gesetzt hat. Mehr Biodiversität – die Voraussetzung für eine gesunde und natürliche Entwicklung aller Lebewesen und Ökosysteme – das ist die Lösung des Problems, von der wir aber noch weit entfernt sind. Leider auch in der Wetterau.

 

Die Vögel der Agrarlandschaft

In diesem Lebensraum gibt es leider nur Verlierer. Durch den massiven Verlust an Insekten verschwindet die Nahrungsgrundlage dieser Vögel. Als Hauptverursacher des Insektensterbens gilt die intensive Landwirtschaft, die in erheblichem Maße Pestizide ausbringt, Gewässer durch Nährstoffeintrag eutrophiert und zu wenig Brachflächen bereithält.

Mehrere Studien belegen einen Rückgang der Insekten um 70 bis 80%, Bienen sterben und stehen für die Bestäubung nicht mehr zur Verfügung. Die neue Rote Liste der Vögel in Deutschland von 2017 belegt einen rasanten Schwund vieler Vogelarten. Die Artenvielfalt ist bedroht. Was aber sind die Gründe?

Die industrialisierte Landwirtschaft ist eines der großen Probleme unserer Zeit. Mit dem Einsatz hochgiftiger Pestizide ist sie mit verantwortlich für das dramatische Insektensterben. Die Agrarpolitik der EU treibt diese Entwicklung mit ihren fehlgeleiteten Förderprogrammen entscheidend an: Naturverträglich zu wirtschaften lohnt sich meist nicht. Der Gipfel ist das Ringen um die Zulassung des Agrargiftes Glyphosat, das sogar uns Menschen nachhaltig gefährden kann. Eine umweltverträgliche Landwirtschaft muss ohne dieses Gift auskommen.

Durch den Nahrungsmangel an Insekten und Brutraumverlust ist ein deutlicher Bestandsrückgang bei den Vögeln der Agrarlandschaft zu beobachten. In besonderem Maße betroffen hiervon sind Stieglitz, Goldammer, Feldlerche, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Girlitz,  sowie Rebhuhn und Wachtel um nur einige zu nennen.

Auf der anderen Seite wird der Landwirtschaft buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen. Täglich verschwinden fast 4 Hektar in Hessen unter Asphalt und Beton. Das passiert Jahr für Jahr. Seit Jahrzehnten. In der Wetterau ist das nicht anders. 2400 Hektar landwirtschaftliche Fläche wurden in den letzten 15 Jahren versiegelt. Das sind 160 Fußballplätze pro Jahr. Alle wollen Nahrungsmittel aus der Region aber wenn das so weitergeht kann die regionale Landwirtschaft dies nicht leisten und gefährdet ihre Existenz.

 

Die Vögel der Auen

Limeshain befindet sich am südlichen Rand des Naturschutzgebietes „Im Rußland und in der Kuhweide bei Lindheim“. Mit 220 Hektar ist es das größte NSG im Wetteraukreis. Das Gebiet ist Teil des 7.400 ha großen Auenverbund Wetterau, der 1989 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen wurde. Durch die häufigen Überschwemmungen in diesem Gebiet ist hier kein Ackerbau möglich. Nur extensive Grünlandnutzung kann auf den Wiesenflächen durchgeführt werden und begünstigt dadurch Fauna und Flora in diesem Gebiet. Dieses Naturschutzgebiet beherbergt seltene Brutvögel wie den Großen Brachvogel. Für viele durchziehende Vogelarten in Frühling und Herbst ist dieses Gebiet besonders interessant wegen den Überschwemmungen während der Zugzeit. Die Anlage verschiedener Wasserflächen in diesem Gebiet wie Grabentaschen, Flutmulden und Nahrungsteiche durch die Naturschutzbehörden führte auch zur Verbesserung des Brutbestandes beim Weißstorch, der von 1977 bis 1979 im Wetteraukreis nur mit einem Brutpaar in Lindheim präsent war. Von 1980 bis 1992 war der Weißstorch im Wetteraukreis ausgestorben. Danach verbesserte sich die Situation des Weißstorches kontinuierlich. Heute nisten wieder über 100 Brutpaare im Kreis.

 

Damit kommen wir auch schon zum größten Gewinner im Wetteraukreis, dem Weißstorch.

 

Gemäß einer Erhebung über den Bestand des Weißstorches von 1893 bis 2003, die ich bei Naturschutzbehörden, den Wetterauer Kommunen und Pfarrarchiven durchgeführt habe, lag das Maximum des Bestandes 1904 bei 56 Brutpaaren. Danach nahmen die Brutpaare kontinuierlich ab, bis die Art in den 80er Jahren im Wetteraukreis komplett ausgestorben war. Die Gründe hierfür waren in erster Linie die Kultivierung von feuchten Wiesengründen zu trockenen Grasfluren, Störungen an den Neststandorten durch Baumaßnahmen auf den Dächern, wachsende Wohnsiedlungen und Industrieanlagen, die Ausdehnung von Verkehrswegen und Freileitungen, sowie Verluste im Winterquartier.

 

Die Verbesserung der Bestandsentwicklung beim Weißstorch auf heute 101 Brutpaare brachten in der Tat die Anlage von vielfältigen Nahrungsteichen in den Naturschutzgebieten des Kreises und die zur Verfügung Stellung von geeigneten Horststandorten in den Auen.    

 

Weitere Gewinner in den Auen sind der Graureiher – der mit den Bodenprädatoren kein Problem hat - und der Silberreiher, eine südliche Vogelart, den man in immer größerer Anzahl in den Auen beobachten kann. Auch die Graugans kommt weiterhin gut zurecht in unseren Auen mit ausreichenden Nachkommen, die zum Teil an die Prädatoren verloren gehen. Ein Problemvogel ist die Nilgans, die sehr aggressiv ihre Brut verteidigt und andere Vogelarten vertreibt. Auch sie ist eine Neozoen, eine eingebürgerte Art, für die unsere Biotope nicht eingerichtet sind.

 

Auch kann man beobachten, dass immer mehr Möwen in unseren Flußauen nisten, außer der häufigen Lachmöwe ist sogar die nordische Silbermöwe und die Mittelmeermöwe dabei.

 

Leider gibt es auch Verlierer in unseren Auen. In erster Linie betrifft es den Großen Brachvogel, ein Watvogel, der im Wetteraukreis nur noch hier in Lindheim mit einem Paar brütet. In den 80er Jahren brüteten noch 7-8 Paare in Lindheim und weitere in 3-5 Paare im Bingenheimer Ried. Der Grund für den Rückgang der Art ist in erster Linie bei den Prädatoren > Wildschwein, Fuchs und Waschbär <  zu suchen. Bodenbrütende Arten haben hier keine Chance.

Ähnliche Probleme haben auch die bodenbrütenden Arten Kiebitz und Bekassine. Obwohl der Kiebitz seine Brut gegenüber Feinden in der Luft sehr aggressiv und erfolgreich verteidigt, hat er am Boden keine Chance. Diese Arten haben um 70% abgenommen. Im letzten Jahr wurde speziell für den Kiebitz ein Hilfsprogramm im Wetteraukreis gestartet, das beispielgebend für ganz Hessen war. Der Brutraum des Kiebitzes wurde mit einem Elektrozaun gesichert. Das führte dazu dass alle 30 Brutpaare in diesem Areal erfolgreich ihre Jungen aufziehen konnten. Mehrere Landkreise im Süden von Hessen folgen nun diesem Beispiel um den Bestand des Kiebitzes zu sichern.

Bei den Singvögeln ist unter den Verlierern insbesondere der Wiesenpieper, der komplett aus unseren Auen verschwunden ist. Bei dieser Art ist sicherlich Nahrungsmangel eine der Hauptursachen.

 

Die Vögel des Waldes

Die heutige Verteilung von Wald, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Siedlungen ist über Jahrhunderte hinweg das Ergebnis menschlichen Handelns. Der verbliebene Wald ist daher kein unberührter Urwald mehr. Er ist eine Kulturlandschaft - ein von Menschen geprägter Wirtschaftswald.

 

Der Wald, das grüne Drittel Deutschlands, besteht aus schätzungsweise 30 Milliarden Bäumen. Jeder einzelne stellt ein einzigartiges Wunderwerk der Natur dar. Der Baum produziert seine Biomasse, wie alle grünen Pflanzen, praktisch aus dem "Nichts", nämlich vor allem aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenenergie. Tagsüber nehmen die Blätter das Kohlendioxid aus der Luft auf und produzieren daraus mit Hilfe des Chlorophylls Traubenzucker, der als Energiequelle und Baustoff für weitere chemische Prozesse benötigt wird.

 

Der Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume und mehr als ein reiner Rohstofflieferant: Er ist ein vielfältiger Lebensraum. Dort wachsen Bäume und Sträucher, Pilze und Flechten. Neben dem Wild und der Vogelwelt leben noch viele andere Tiere im Wald. Diese Vielfalt wollen wir bewahren.

 

Daneben ist der Wald ein Ort, an dem wir unsere Freizeit verbringen und uns erholen. Der Wald bietet Raum für vielerlei Aktivitäten und Ansprüche – und das zu jeder Jahreszeit. Immer mehr Menschen halten sich in ihrer Freizeit im Wald auf. Allerdings sind damit Risiken für die Lebewesen im Wald verbunden, die es zu verringern gilt. Zudem treten Nutzungskonflikte auf, die gelöst werden müssen.

 

Mit all dem keine Probleme hat der Kolkrabe, der in stetig steigender Zahl in unseren Wäldern brütet. Er ist ein Opportunist und kommt seit einigen Jahren in unseren Wäldern gut zurecht.

 

Bei den Vogelarten, die für Ihre Brut eine Baumhöhle benötigen sieht das allerdings anders aus. Der Todholzanteil nimmt in unseren Wäldern immer mehr ab. Somit schwinden die Brutmöglichkeiten für den Waldkauz, den Schwarzspecht und den Mittelspecht, der insbesondere auf Eichenwälder angewiesen ist.

 

Für den Waldkauz sind alte Gehölze mit Höhlen in seinem Lebensraum von hoher Wichtigkeit. Der Waldkauz lebt nicht nur im Wald – längst hat er auch Siedlungen erobert und findet hier oft günstige Lebensbedingungen in Scheunen, Ruinen und vor allem in alten Höhlenbäumen, in denen der Waldkauz brütet. Sie stehen auf Friedhöfen, in Parks, sogar an Straßen und der Waldkauz hat sich längst an die Nähe des Menschen gewöhnt. Der für die Arterhaltung entscheidende Bruterfolg hängt jedoch vor allem von der Qualität des Lebensraums ab. Das Fällen alter Höhlenbäume, eintönige Wälder und ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Nahrung und der zunehmende Straßenverkehr sind die größten Gefahren für den Waldkauz.

 

„Nachhaltigkeit“ und „Umweltbewusstsein“ sind Begriffe, die heutzutage einen hohen Stellenwert haben. Die Menschen möchten wissen, was sie kaufen und ob die Produkte unsere Umwelt schonen. Aus diesem Grund gibt es zum Beispiel das Biosiegel, einer Zertifizierung auf Nahrungsmitteln. Doch auch nachhaltig erwirtschaftetes Holz kann ausgezeichnet werden, zum Beispiel mit dem FSC-Siegel oder dem PEFC-Siegel. Alle Zertifizierungssysteme im Forstsektor verfolgen das Ziel, die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit von Produkten aus dem Wald zu kontrollieren und für den Endverbraucher nachvollziehbar kenntlich zu machen.

 

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, das die Wälder im Wetteraukreis zertifiziert werden, was zu einem Teil bereits erfolgt ist. Die ökologischen Anforderungen sind unterschiedlich. Für die brütenden Vogelarten sehr wichtig ist der angemessene Umfang des Totholzes im entsprechenden Waldbereich und wo möglich eine Steigerung des vorhandenen Totholzanteils.

 

Bei den Singvögeln ist insbesondere beim Pirol und beim Trauerschnäpper ein Bestandsrückgang zu beobachten. Die Gründe hierfür können auch bei den Prädatoren – insbesondere beim Waschbär – liegen, die in der Lage sind bis in die höchsten Gipfel der Bäume zu klettern wo der Pirol hauptsächlich brütet. 

 

Die Vögel der Streuobstgebiete

Früher gab es bei den Kommunen aktive Lebensräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Streuobstflächen umgrenzten die Ortschaften als prägender Bestandteil der Kulturlandschaft, verbesserte die Naherholung und das Kleinklima. Grünflächen wurden extensiv genutzt mit einer hohen Artenvielfalt an Blüten und Insekten. Dies ist Vergangenheit. Viele dieser Flächen sind heute überbaut und ökologisch nicht mehr nutzbar. Daraus resultieren auch die Probleme der Vogelwelt in den Streuobstgebieten.

 

Ein Bewohner der Streuobstgebiete ist der Steinkauz. Er ist eine unserer kleinsten Eulen. Sein Lebensraum sind offene, mit Baumreihen und Feldgehölzen durchsetzten Kulturlandschaften, die mit einem ausreichenden Angebot an geräumigen Bruthöhlen und Tageseinständen ausgestattet sind. Als Jagdgebiet benötigt er nicht zu intensiv bewirtschaftete Flächen mit ganzjährig kurzer Vegetation.

 

Leider gehen die Steinkauzbestände stetig zurück, da die Lebensraumgrundlage nicht mehr ausreichend gegeben ist. Bis zu 80% der Rückgänge in Deutschland gehen auf das Konto neuer Baugebiete. Aufgrund der häufig fehlenden Brutmöglichkeiten, wurden in den letzten Jahren an vielen Stellen Niströhren aufgehängt. Mit großem Erfolg kann man so den Steinkauz in geeigneten Revieren halten. Hier in Limeshain haben wir von der  NABU-Gruppe 84 Niströhren für den Kauz installiert. Zu geeigneten Revieren gehören im optimalsten Fall beweidete Wiesen, auf denen es immer genügend Nahrung für den kleinen Kauz gibt. Leider nehmen die ortsnahen Weiden immer mehr ab. Höhlenreiche Bäume, wie Kopfweiden und Hochstammbäume runden den optimalen Lebensraum ab.

Sogar der Star, vormals in riesigen Schwärmen zu beobachten, erlebt einen erheblichen Bestandsrückgang. Auch hier spielt die Nahrung eine Rolle aber auch der fehlende Brutraum macht diesem Vogel zu schaffen, weshalb sein Bestand abnimmt. Alte Bäume mit Bruthöhlen werden in den Streuobstbeständen entfernt und die Anzahl der Insekten ist dramatisch zurückgegangen.

 

Als Singvogel hat es auch der Gartenrotschwanz schwer aufgrund der schwindenden Nahrung seine Nachkommen großzuziehen. Zumindest bei der Wohnraumbeschaffung können wir dem Gartenrotschwanz und dem Star mit Nistkästen helfen.

 

 

Ausklang

Es ist eine Binsenwahrheit: Das Leben auf der Erde und der Wohlstand des Menschen beruhen auf einer funktionierenden Umwelt. Die Rohstoffe werden knapp, die Umwelt wird verschmutzt, einzigartige Ökosysteme verschwinden. Es hängt von sehr vielen Faktoren ab, wie viele Menschen die Erde letztendlich verkraften kann, ohne unbewohnbar zu werden. Ob diese wachsende Anzahl an Menschen auf der Erde überleben kann, hängt vom künftigen Verbrauch der Ressourcen und von unserem Umgang mit dem Planeten ab.

 

Seit Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts pusten wir fleißig CO2 in die Luft. Die Konsequenz: Es wird wärmer und wärmer. Nicht nur auf der Erde, sondern auch in unseren Ozeanen.

Immer mehr Bäume müssen weichen, ganze Wälder werden zerstört. Besonders in den Tropen müssen sie Platz machen für die Viehzucht oder den Anbau von Sojabohnen, für Palmöl-Plantagen oder für andere landwirtschaftliche Monokulturen. Die Zerstörung der Wälder hat Auswirkungen auf die Biodiversität und das Klima. Heute sind etwa 30 Prozent der Fläche unseres Planeten von Wäldern bedeckt - das ist nur noch etwa halb so viel wie vor rund 11.000 Jahren. 7,3 Millionen Hektar Wald werden jedes Jahr zerstört. Tropische Wälder machten einmal 15 Prozent der Landfläche aus; heute sind es nicht mehr als sechs oder sieben Prozent. Der Großteil wurde abgeholzt oder abgebrannt.

Dabei dienen Wälder nicht nur dem Schutz der Artenvielfalt, sondern sie fungieren auch als Kohlenstoffsenken - natürliche CO2-Speicher - das so nicht in die Erdatmosphäre oder die Ozeane gelangt.

Wir müssen schützen, was vom Wald, von den Streuobstgebieten und den Auenlandschaften noch übrig geblieben ist. Wo das möglich ist neu anpflanzen oder als Nuturschutzgebiet sicherstellen.

Es bleibt noch viel zu tun um die  Biologische Vielfalt der Lebewesen und Lebensräume zu erhalten, die auch Biodiversität genannt wird, die Voraussetzung für eine gesunde und natürliche Entwicklung aller Lebensformen, unser natürliches Erbe, welches wir zukünftigen Generationen als Vermächtnis hinterlassen wollen und wofür wir als Gesellschaft eine ethische und moralische Verantwortung tragen.

Warten wir nicht länger - Packen wir´s an !!!!


Spende für Artenschutz

Horst Claussen sammelt zum Geburtstag Spenden für den Artenschutz

Eine große Spende für den Ausbau eines Trafoturms in Assenheim hat Kreisgärtermeister Horst Claussen an Marvin Kössler von der NAJU und Frank Uwe Pfuhl vom NABU Wetterau überreicht. 

 

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Exerzierplatz ist Butzbachs artenreichstes Gebiet

Führung zu Insekten stieß auf großes Interesse

Der Vierfleck gehört zu den häufigsten Libellen auf dem Exerzierplatz (Foto: Klaus Spieler)

Landschaftsökologe Gall präsentierte zahlreiche Insektenarten des Exerzierplatzes (Foto: Gernot Krämer)


 

Fast 50 Naturfreunde hatten sich am vergangenen Samstagnachmittag bei herrlichem Hochsommerwetter eingefunden, um unter der Leitung des Butzbacher Landschaftsökologen Matthias Gall auf dem Exerzierplatz Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken kennenzulernen. Eingeladen hatten BUND und NABU Butzbach, die NABU Umweltwerkstatt Wetterau sowie die BUND-Initiative „hamsterhelfer.de“.

 

Einführend erläuterte Gall die Entwicklung des Exerzierplatzes seit dem Abzug der Amerikaner um die Jahrtausendwende. Nachdem Teile des ehemaligen Übungsplatzes bereits in den Jahrzehnten zuvor keiner militärischen Nutzung mehr unterlagen, kam es etwa ab 2005 zu einer raschen Verbuschung der übrigen 25 Hektar. Zu Lasten einer vielfältigen Flora und Fauna breiteten sich rasch artenarme Kieferndickungen aus. Im Winter 2016 / 2017 ließ dann die Stadt Butzbach im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen für Baugebiete großflächige Entkusselungen durchführen und über 120 Tümpel baggern. Die inzwischen erfolgende Beweidung mit Robustrindern trage, so Gall, zum Erhalt der Vielfalt und Schönheit der in Butzbach einzigarten Landschaft maßgeblich bei und forciere die Rückkehr zahlreicher typischer und seltener Arten.

 

Davon konnten sich die begeisterten Naturfreunde zunächst an den Tümpeln im Osten des Gebiets überzeugen. Während sie sich an von der Kelterei Müller gesponserten Getränken erfrischten, präsentierte Gall einige Libellenarten. Vierfleck, Königslibelle, Becher- und Hufeisenazurjungfer, Gemeine Binsenjungfer oder die Pechlibelle waren ebenso zu bestaunen wie der seltene Südliche Blaupfeil. Unter den Heuschrecken zog vor allem die inzwischen hier wieder sehr häufige Ödlandschrecke die Blicke auf sich. Die wärme- und trockenheitsliebende Art steht, so führte Gall aus, für eine Vielzahl von Arten, die offene und voll besonnte Flächen benötigen. Auch die Schmetterlinge kamen nicht zu kurz. Ochsenauge, Dickkopffalter, Schornsteinfeger, Schachbrettfalter oder die auf ungedüngte Flächen angewiesenen Senfweißling und Blutströpfchen erfreuten die Besucher.

 

Ein weiterer Höhepunkt der Wanderung waren die Ausführungen des Landwirts Berthold Antony zur Beweidung der Flächen mit seinen Highland- und Galloway-Rindern. Nachdem die stattlichen Tiere zunächst in den Büschen vor der Sonne Schutz suchten, kamen die wohlerzogenen Landschaftspfleger prompt aus ihrem Versteck, als ihr Besitzer sie stimmgewaltig rief. Mit spürbarer Begeisterung für das Projekt und die Tiere berichtete Antony, dass sie nun voraussichtlich bis September auf dem Exerzierplatz blieben. Hier würden sie mehrfach umgetrieben, um so ein optimales Weideergebnis zu erzielen und die Wege durch das Gebiet stets für Wanderer offen zu lassen.

 

Schon aufgrund des großen Interesses werden die Verbände auch im nächsten Jahr eine Führung mit Matthias Gall anbieten, dann voraussichtlich zum Thema Amphibien und Reptilien.