Neuigkeiten vom NABU Wetterau

Exerzierplatz ist Butzbachs artenreichstes Gebiet

Führung zu Insekten stieß auf großes Interesse

Der Vierfleck gehört zu den häufigsten Libellen auf dem Exerzierplatz (Foto: Klaus Spieler)

Landschaftsökologe Gall präsentierte zahlreiche Insektenarten des Exerzierplatzes (Foto: Gernot Krämer)


 

Fast 50 Naturfreunde hatten sich am vergangenen Samstagnachmittag bei herrlichem Hochsommerwetter eingefunden, um unter der Leitung des Butzbacher Landschaftsökologen Matthias Gall auf dem Exerzierplatz Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken kennenzulernen. Eingeladen hatten BUND und NABU Butzbach, die NABU Umweltwerkstatt Wetterau sowie die BUND-Initiative „hamsterhelfer.de“.

 

Einführend erläuterte Gall die Entwicklung des Exerzierplatzes seit dem Abzug der Amerikaner um die Jahrtausendwende. Nachdem Teile des ehemaligen Übungsplatzes bereits in den Jahrzehnten zuvor keiner militärischen Nutzung mehr unterlagen, kam es etwa ab 2005 zu einer raschen Verbuschung der übrigen 25 Hektar. Zu Lasten einer vielfältigen Flora und Fauna breiteten sich rasch artenarme Kieferndickungen aus. Im Winter 2016 / 2017 ließ dann die Stadt Butzbach im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen für Baugebiete großflächige Entkusselungen durchführen und über 120 Tümpel baggern. Die inzwischen erfolgende Beweidung mit Robustrindern trage, so Gall, zum Erhalt der Vielfalt und Schönheit der in Butzbach einzigarten Landschaft maßgeblich bei und forciere die Rückkehr zahlreicher typischer und seltener Arten.

 

Davon konnten sich die begeisterten Naturfreunde zunächst an den Tümpeln im Osten des Gebiets überzeugen. Während sie sich an von der Kelterei Müller gesponserten Getränken erfrischten, präsentierte Gall einige Libellenarten. Vierfleck, Königslibelle, Becher- und Hufeisenazurjungfer, Gemeine Binsenjungfer oder die Pechlibelle waren ebenso zu bestaunen wie der seltene Südliche Blaupfeil. Unter den Heuschrecken zog vor allem die inzwischen hier wieder sehr häufige Ödlandschrecke die Blicke auf sich. Die wärme- und trockenheitsliebende Art steht, so führte Gall aus, für eine Vielzahl von Arten, die offene und voll besonnte Flächen benötigen. Auch die Schmetterlinge kamen nicht zu kurz. Ochsenauge, Dickkopffalter, Schornsteinfeger, Schachbrettfalter oder die auf ungedüngte Flächen angewiesenen Senfweißling und Blutströpfchen erfreuten die Besucher.

 

Ein weiterer Höhepunkt der Wanderung waren die Ausführungen des Landwirts Berthold Antony zur Beweidung der Flächen mit seinen Highland- und Galloway-Rindern. Nachdem die stattlichen Tiere zunächst in den Büschen vor der Sonne Schutz suchten, kamen die wohlerzogenen Landschaftspfleger prompt aus ihrem Versteck, als ihr Besitzer sie stimmgewaltig rief. Mit spürbarer Begeisterung für das Projekt und die Tiere berichtete Antony, dass sie nun voraussichtlich bis September auf dem Exerzierplatz blieben. Hier würden sie mehrfach umgetrieben, um so ein optimales Weideergebnis zu erzielen und die Wege durch das Gebiet stets für Wanderer offen zu lassen.

 

Schon aufgrund des großen Interesses werden die Verbände auch im nächsten Jahr eine Führung mit Matthias Gall anbieten, dann voraussichtlich zum Thema Amphibien und Reptilien.